Evaluierung der mittelfristigen Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen - Bewertung möglicher Alternativen und Auswirkungen auf die österreichische Landwirtschaft
Abstract
Das verfügbare Portfolio an Pflanzenschutzmittelwirkstoffen in der Europäischen Union unterliegt gegenwärtig einem massiven Wandel. Während die Anzahl der genehmigten Wirkstoffe in den letzten Jahren in etwa gleich blieb, war eine Verschiebung von chemischen Wirkstoffen hin zu Mikroorganismen und weiteren biologischen Wirkstoffen, wie Pflanzenextrakten und Pheromonen, zu beobachten. Hintergrund dieser Entwicklung sind die stetige Anpassung der Untersuchungsmethoden an neue Erkenntnisse und an den Stand der Wissenschaften und die Berücksichtigung von zusätzlichen Kriterien bei der Wirkstoffgenehmigung (z. B. endokrine Eigenschaften). Dadurch soll auch das Ziel eines nachhaltigen Lebensmittelsystems im Rahmen des „Green Deals“ der europäischen Kommission unterstützt werden. Während für einen Teil der nicht mehr genehmigten chemischen Wirkstoffe noch ausreichend Alternativen zu Verfügung stehen, zeigen jedoch langwierige Verhandlungen über einzelne Wirkstoffe im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel, sowie auch Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis, dass einige chemische Wirkstoffe nur noch schwer oder nicht ausreichend ersetzbar sind. Bereits auf Basis der aktuell etablierten Bewertungsmethoden ist mit der Nicht-Genehmigung von weiteren chemischen Wirkstoffen zu rechnen. Zudem ist davon auszugehen, dass durch weitere Erkenntnisse bezüglich möglicher negativer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt einzelne Wirkstoffe und auch ganze Wirkstoffgruppen mittelfristig die Genehmigung verlieren werden. So werden beispielsweise gegenwärtig die Problemfelder Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), Succinat-Dehydrogenase-Inhibitoren (SDHI) und die Verstärkung von Resistenzen im medizinischen Bereich durch Azol-Wirkstoffe diskutiert, aber auch die neuen CLP-Kriterien (Classification, Labelling and Packaging) sowie Adaptierungen der Trinkwasserverordnung könnten die Verfügbarkeit von PSM-Wirkstoffen beeinflussen. Im Rahmen des Projekts soll nun unter Berücksichtigung der aktuell gültigen Bewertungskriterien sowie auch bereits bekannter zukünftiger Entwicklungen und Vorgaben auf europäischer Ebene eine Abschätzung vorgenommen werden, welche Wirkstoffe mittelfristig nicht mehr verfügbar sein könnten. Nach Analyse der potentiell entstehenden Behandlungslücken werden mögliche Alternativen hinsichtlich des Stands der Technik, der Praktikabilität und Wirksamkeit, der Relevanz für die österreichische Landwirtschaft und des Zeithorizonts bezüglich der zukünftigen Anwendung und Umsetzung diskutiert und bewertet.
Mitarbeiter*innen
Siegrid Steinkellner
Univ.Prof. Dipl.-Ing.Dr.nat.techn. Siegrid Steinkellner
siegrid.steinkellner@boku.ac.at
Tel: +43 1 47654-95001, 95301, 95302
Projektleiter*in
01.05.2026 - 30.06.2027
BOKU Partner
Externe Partner
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Koordinator