Digital twin assessment and maintenance technology for structural performance
Abstract
Viele große Stahlbetonbauwerke weltweit befinden sich seit mehreren Jahrzehnten im Betrieb, wobei sich ihre Dauerhaftigkeit infolge umweltbedingter Einwirkungen wie Temperaturwechseln, Feuchteeintrag, Karbonatisierung und Chloridangriff schrittweise verschlechtert hat. Infolgedessen hat die strukturelle Zuverlässigkeit dieser Systeme im Laufe der Zeit abgenommen. Insbesondere kritische Infrastrukturbauwerke – darunter Brücken und Tunnel – sind dauerhaft wiederholten Verkehrslasten sowie aggressiven Umwelteinflüssen ausgesetzt, was zu einer fortschreitenden Leistungsdegradation führt. Konventionelle Instandhaltungs- und Bewertungsmethoden stützen sich jedoch überwiegend auf visuelle Inspektionen, die Auswertung begrenzter experimenteller Daten sowie empirische Erfahrungswerte und sind daher nicht ausreichend geeignet, das Gesamtverhalten solcher Bauwerke umfassend zu erfassen. Diese traditionellen Ansätze erlauben weder eine zuverlässige Prognose des Langzeitverhaltens großmaßstäblicher Strukturen noch eine quantitative Ableitung angemessener Erhaltungs- und Verstärkungsmaßnahmen. Folglich besteht ein dringender Bedarf an einer systematischen und quantitativen Bewertungsmethodik zur Unterstützung fundierter Entscheidungsprozesse im Bereich der Instandhaltung und Sanierung von Stahlbetoninfrastruktur. Darüber hinaus werden moderne Sicherheitsanforderungen im Bauwesen zunehmend verschärft, sodass viele bestehende Bauwerke den aktuellen Bemessungsnormen nicht mehr entsprechen und einer umfassenden Bewertung sowie geeigneter Nachrüststrategien bedürfen. Eine experimentelle Validierung der Tragwerksleistung im Großmaßstab ist in der Regel aufgrund wirtschaftlicher und technologischer Einschränkungen nicht realisierbar. Vor diesem Hintergrund sind objektive analytische Verfahren auf Basis der Zuverlässigkeitstheorie und der Digital-Twin-Technologie von entscheidender Bedeutung. Zuverlässigkeitsbasierte Ansätze ermöglichen die Quantifizierung von Unsicherheiten im Tragwerksverhalten unter Nutzung experimenteller und monitoringbasierter Daten, während digitale Zwillinge hochauflösende Abbildungen des aktuellen Bauwerkszustands liefern und die Prognose der langfristigen Leistungsentwicklung unter variierenden Einflussfaktoren erlauben. Die Gewährleistung der Sicherheit großer Infrastruktursysteme stellt eine globale Herausforderung dar und ist nicht auf einzelne Länder beschränkt. Entsprechend werden Zuverlässigkeitsanalysen und digitale Zwillinge weltweit intensiv erforscht. In Regionen wie Europa und Südkorea, in denen der Neubausektor weitgehend gesättigt ist, gewinnen die Erhaltung und das Monitoring bestehender Bauwerke zunehmend an Bedeutung. Die vorliegende Arbeit ist Teil eines internationalen Forschungsprojekts, das Messdaten der Jauntalbrücke in Österreich nutzt und durch globale wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Entwicklung eines zuverlässigeren Bewertungsrahmens für die strukturelle Sicherheit beiträgt. Die Ergebnisse dieser Forschung sollen sowohl die Instandhaltung als auch die Bemessung großer Stahlbetonbauwerke in Europa und darüber hinaus unterstützen und damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, Sicherheit und Effizienz zukünftiger Infrastruktursysteme leisten.
Mitarbeiter*innen
Alfred Strauss
Univ.Prof. Dipl.-Ing.Dr. Alfred Strauss
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BOKU Projektleiter*in
01.10.2025 - 30.09.2028