Landnutzungsintensität als Proxy für die Auswirkungen des Mikroklimas auf die Insektenvielfalt (LUMI)
Abstract
Intensive Landnutzung trägt zum Verlust von Lebensräumen und zur Verminderung der Qualität von Ökosystemen bei, was die globale Artenvielfalt bedroht, insbesondere in Graslandschaften, die Lebensraum für vielfältige Pflanzen- und Insektengemeinschaften bieten. Bisherige Forschungen haben sich vor allem auf die direkten Auswirkungen der Landnutzung auf Insekten konzentriert, während indirekte Auswirkungen wie Veränderungen des Mikroklimas noch nicht vollständig untersucht wurden. Wie sich die Landnutzung auf den mikroklimatischen Nischenraum auswirkt und wie diese Beziehung die negativen Auswirkungen der intensiven Landnutzung auf die Insektenvielfalt mildert, ist unbekannt. Wir werden räumlich hochauflösende Mikroklimadaten, die mittels thermischer Fernerkundung gemessen wurden, mit Insektenprobenahmen und der Messung der thermischen Toleranz von Insekten kombinieren, um zu verstehen, wie sich durch die Landnutzung bedingte Veränderungen des Mikroklimas auf die Insektenvielfalt und die Zusammensetzung der Insektengemeinschaften auswirken. Wir gehen davon aus, dass intensiv genutzte Graslandschaften engere mikroklimatische Nischen bieten und dass verschiedene Komponenten der Landnutzung (Mähen, Düngung, Beweidung) unterschiedliche Auswirkungen auf das Mikroklima haben. Um diese Hypothese umfassend zu überprüfen, werden wir das Vorkommen und die Vielfalt von Insekten auf allen 150 Graslandparzellen der Biodiversitätsexploratorien mit Hilfe von Saugproben (Biozönometer) quantifizieren. Gleichzeitig werden wir wiederholt Oberflächentemperaturen mit hoher räumlicher Auflösung mittels Drohnenflügen erfassen, um mikroklimatische Nischen zu charakterisieren und Insektenproben mit präzisen Mikroklimadaten abzugleichen. Anhand dieser Oberflächentemperaturen und einer Reihe von Kovariaten (z. B. Pflanzenbedeckung, meteorologische Bedingungen) wollen wir das Mikroklima innerhalb und unterhalb des Graslanddachs, wie es von Insekten wahrgenommen wird, räumlich charakterisieren. Um die thermische Toleranz und Widerstandsfähigkeit von Insekten mit den mikroklimatischen Bedingungen, denen sie ausgesetzt sind, in Verbindung zu bringen, werden wir die kritischen thermischen Maxima für eine Untergruppe von Insektenarten messen. Diese umfassenden und sich ergänzenden Daten aus der Fernerkundung und der Insektenökologie werden dazu beitragen, den Zusammenhang zwischen Landnutzung, Mikroklima und Insektenbiodiversität in bewirtschafteten Graslandschaften zu entschlüsseln. Somit wird die vorgeschlagene Forschung das Verständnis darüber, wie sich unterschiedliche Formen und Intensitäten der Landnutzung auf die Biodiversität auswirken, erheblich voranbringen, was eine der zentralen Fragen des gesamten Biodiversitäts-Exploratorien-Programms ist.
Mitarbeiter*innen
Fabian Faßnacht
Univ.Prof. Dr. Fabian Faßnacht
fabian.fassnacht@boku.ac.at
Tel: +43 1 47654-85721
Projektleiter*in
01.05.2026 - 30.04.2029
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