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Gewählte Dissertation:

Jan Philipp Gerhardt (2021): Strategieoptimierung im Forstbetrieb durch Integration funktionsorientierten Waldbaus mit jagdlichen Maßnahmen.
Dissertation - Institut für Waldbau (WALDBAU), BOKU-Universität für Bodenkultur, pp 161. UB BOKU obvsg

Datenquelle: ZID Abstracts
Abstract:
Für einen zielgerichteten Waldbau müssen die Steuergrößen von gewünschten Waldfunktionen bekannt sein. Ein wesentlicher Einflussfaktor ist die Wirkung von Wildtieren, die jedoch selbst von einer Vielzahl an Faktoren abhängt. Das Verständnis dafür zu ergänzen und zur Versachlichung des Diskurses um Wald-Wild-Interaktionen beizutragen, ist Ziel dieser Arbeit. Es wurden dazu drei Studien durchgeführt, um herauszufinden welche Steuergrößen den Wildeinfluss in Wäldern bestimmen, wie bestimmte Waldfunktionen davon abhängen und ob waldbaulich-jagdliche Strategien daraufhin optimiert werden können. In einer Meta-Analyse wurden 38 Studien analysiert und dabei 80 verschiedene Steuergrößen des Wildeinflusses gefunden. In einem 131 km² großen Untersuchungsgebiet wurden mittels der Verschneidung von Rotwild-Telemetriedaten mit Habitatparametern die Präferenzen des Rotwilds und der Einfluss der Winterfütterung untersucht. Diese konnte im Umkreis von 1,3 – 1,5 km den Nutzungsdruck in schälanfälligen Waldbeständen senken. Ob die Winterfütterung jedoch langfristig Schäden reduziert bleibt unklar, da sie sich auch positiv auf Überleben, Fortpflanzung und Wilddichte auswirken kann. Daneben bestimmen zahlreiche waldbauliche, jagdliche und standörtliche Parameter den Wildeinfluss. Auf einer Fläche von 5.459 ha wurden daher Korrelationen von Habitatparametern mit Verbiss und Schäle untersucht. Im Ergebnis der durchgeführten Regressionsanalysen gab es nur wenige Faktoren, die einen signifikanten Einfluss hatten. Am stärksten wirkte die Wilddichte, gefolgt von Überschirmung, Höhenlage und Verjüngungsdichte. Wir gehen davon aus, dass in unserem Fall viele Faktoren von Wilddichte und Fütterungsregime überlagert wurden. Zusammen ergeben die drei Studien ein differenziertes Bild. Es zeigt, dass Wald-Wild-Mensch-Beziehungen nicht einfach erklärbar, sondern gebietsweise sehr unterschiedlich sind. Für die benötigten differenzierten Strategien wurden hier wichtige Grundlagen erarbeitet.

Betreuer: Hochbichler Eduard

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