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Gewählte Diplomarbeit / Masterarbeit:

Suzanne Jovanovic (2021): Herbicide use in Austrian agriculture between 2010 and 2019 and its potential toxic load for farmland birds..
Diplomarbeit / Masterarbeit - Institut für Zoologie, BOKU-Universität für Bodenkultur, pp 52. UB BOKU obvsg

Datenquelle: ZID Abstracts
Abstract:
Die Intensivierung der Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten zu einem dramatischen Rückgang der Feldvögelpopulationen in Europa geführt. Während Veränderungen in der Landschaftsstruktur, intensive Landwirtschaft und der Gesamtverlust der Biodiversität wichtige Faktoren sind, wird die Rolle von Herbiziden und ihre möglichen Auswirkungen auf Feldvögel selten berücksichtigt. Diese Arbeit untersucht den Herbizideinsatz in Österreich von 2010-2019 und bewertet die damit verbundene potenzielle toxische Belastung für sechs Feldvogelarten (Girlitz, Rebhuhn, Bluthänfling, Feldlerche, Braunkehlchen, Kiebitz) auf Basis ökotoxikologischer Bewertungen (letale Dosierungen LD50 und Halbwertszeit). Die Ergebnisse zeigen, dass insgesamt 106 Herbizid Wirkstoffe aus 13 unterschiedlichen Chemikalienklassen eingesetzt wurden. Die Gesamtmenge der ausgebrachten Herbizide ist um 27% gesunken, von ca. 1592 t im Jahr 2010 auf ca. 1151 t im Jahr 2019. Gleichzeitig verringerte sich die potenziell mit Herbiziden behandelte Fläche um 2,7%, wobei die potenzielle toxische Belastung durch Herbizide für samenfressende Vogelarten um 582% gestiegen ist. In dieser Zeit sanken die Populationen der Feldvögel um bis zu 64%, wobei Girlitz als samenfressende Spezies am meisten abnahm. Die Analyse ergab, dass der Wirkstoff Diquat (Klasse Bipyridylium) den stärksten toxischen Einfluss hatte. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Feldvögel in der Realität nur eine geringe Menge der eingesetzten Herbizide direkt aufnehmen und die toxische Belastung von vielen anderen Faktoren abhängt. Diese Studie zeigt, dass selbst abnehmende Herbizidmengen zu einer erhöhten toxischen Belastung für Vögel führen können, wenn schwere, weniger giftige durch leichte, aber giftigere Wirkstoffe ersetzt werden. Diese Zusammenhänge zwischen Menge und Toxizität sollten bei der Formulierung von Pestizidreduktionszielen berücksichtigt werden, wie beispielsweise bei der europäischen Strategie „Farm-to-Fork.

Beurteilende*r: Zaller Johann

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