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Gewählte Diplomarbeit / Masterarbeit:

Susan El-Heliebi (2015): Zur Reproduktionsbiologie von Anacamptis (Orchis) coriophora- Bestäubung, Fortpflanzungssystem und Bestandsentwicklung des Wanzenknabenkrauts in der Lobau im Nationalpark Donau-Auen..
Diplomarbeit / Masterarbeit - Institut für Integrative Naturschutzforschung, BOKU-Universität für Bodenkultur, pp 116. UB BOKU obvsg

Datenquelle: ZID Abstracts
Abstract:
Anacamptis (Orchis) coriophora ist eine vom Aussterben bedrohte Orchideenart, deren Vorkommen in Österreich und ganz Mitteleuropa in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend erloschen sind. Eine der wenigen großen Populationen der Art ist noch im Nationalpark Donau-Auen am Fuchshäufel in der Wiener Lobau zu finden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es festzustellen, welche Rückschlüsse sich auf das Reproduktionssystem dieser nektarführenden Orchideenart bezüglich der Abhängigkeit von Bestäubern und der Rolle von Fremd- bzw. Selbstbestäubung ziehen lassen. Weiters wird die Frage behandelt, ob sich die positive Bestandsentwicklung der letzten Jahre am Fuchshäufel fortgesetzt hat und wie sich der Brand des Jahres 2011 auf die Populationsdynamik auswirkte. Resultierend aus den Bestäubungsbeobachtungen sind Hymenopteren (Bienen und Hummeln, 52,8% der Individuen) häufige Bestäuber der Pflanze; interessanterweise wurden auch bestäubende Coleopteren (44,4%) und Dipteren (2,8%) ermittelt. Auf Basis von Bestäubungsexperimenten und Samenvitalitätstests konnten Selbstkompatibilität und die Abhängigkeit von Bestäubern dokumentiert werden. Asexuelle Fortpflanzung durch Agamospermie wurde nicht nachgewiesen. Aufgrund von Aufenthaltsdauer und Bestäuberverhalten eines Teils der Insekten und angesichts der kurzen Pollinarienabsenkzeiten ist von erhöhten Geitonogamie-Raten auszugehen. Zusammenfassend wurden Xenogamie und Geitonogamie als arttypische Reproduktionsmodi von A. coriophora identifiziert, wobei der optimale Reproduktionserfolg bei Fremdbestäubung durch Insekten erzielt wird. Hinsichtlich des Brandes von 2011 wurden keine mittelfristig negativen Auswirkungen auf die Population am Fuchshäufel festgestellt, da die Monitoringergebnisse des Jahres 2014 wieder stabile bzw. steigende Individuenzahlen zeigten. Gemessen an Bestäuberfrequenzen, Reproduktionsmodus und -erfolg sowie aktueller Bestandsentwicklung erscheint die untersuchte Population von A. coriophora derzeit sehr vital.

Beurteilende(r): Kropf Matthias
1.Mitwirkender: Kriechbaum Monika

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