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Gewählte Diplomarbeit / Masterarbeit:

Maria Holoubek (2017): Der urbane Nutzgarten Ein Ort der Alltagskultur als Spiegel gesellschaftlicher Dynamiken zu Zeiten der Industriellen Revolution und der Gegenwart.
Diplomarbeit / Masterarbeit - Abteilung Gartenbau, BOKU-Universität für Bodenkultur, pp 177. UB BOKU obvsg FullText

Datenquelle: ZID Abstracts
Abstract:
Mit der Aufklärung beginnt die Gesellschaftstransformation von einer agrarisch geprägten hin zu einer modernen Gesellschaft. Urbanisierung und Industrialisierung spielen dabei eine bedeutende Rolle und haben auf städtische Nutzgärten - als Teil eines dynamischen Großstadtgefüges - großen Einfluss. Die neue Gesellschaftsordnung mit marktwirtschaftlicher Ausrichtung und bürgerlichen Werten verändert die urbane Lebensweise des 19. Jh., was auf Ernährung und Konsumkultur ebenso tiefgreifend einwirkt, wie auf das Geschlechterverhältnis. Die eng mit alltagskulturellen Praxen verwobene Gartenkultur spiegelt dies über Veränderungen in Pflanzinventar, Besitzstruktur und geschlechtsbezogenen Zuschreibungen wider. Gärten verlieren in gehobenen Kreisen ihre ökonomische Bedeutung zugunsten der Zierfunktion und werden den, in die Privatheit zurückgedrängten, Frauen zugeordnet. Stadtgärten werden zu einem Klassenprivileg. Gleichzeitig verstärkt sich das Abhängigkeitsverhältnis ärmerer Bevölkerungsteile von nicht mehr leist- oder verfügbarem Gartenland. Es formieren sich Gegenbewegungen, die politische und sozioökonomische Aktivitäten mit dem Gärtnerischen verbinden. Im Vordergrund steht die Notwendigkeit sich selbst mit Nahrungsmitteln und Grünraum zu versorgen, da sozialpolitische Lenkungsinstrumente und ausreichende Versorgungsmöglichkeiten fehlen. Trotz veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen finden sich im aktuellen Interesse an urbanen Nutzgärten Parallelen zu diesen ersten Gartenbewegungen. Heute entspringt das Engagement weniger der existenziellen Angewiesenheit als dem Wunsch nach mehr Kontrolle über persönliche Lebensbereiche. Der Anbau von Nutzpflanzen ist Teil eines neuen Lebensstils, der urbanes Leben mit bewusstem Konsum und zivilgesellschaftlichem Engagement verbindet. Seit dem 19.Jh. sind Nutzgärten integrale Bestandteile der Stadtentwicklung und des urbanen Lebens. Sie sind gleichzeitig Spiegel und Produkt gesellschaftsdynamischer Entwicklungen.

Beurteilende(r): Keutgen Anna
1.Mitwirkender: Plenk Sabine

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