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Gewählte Diplomarbeit / Masterarbeit:

Marianne Götsch (2019): Reproduktionserfolg und Fortpflanzungssystem der Adriatischen Riemenzunge (Himantoglossum adriaticum).
Diplomarbeit / Masterarbeit - Institut für Integrative Naturschutzforschung, BOKU-Universität für Bodenkultur, pp 51. UB BOKU obvsg

Datenquelle: ZID Abstracts
Abstract:
Himantoglossum adriaticum ist eine heimische Orchideenart, welche in Österreich und EU-weit unter Schutz steht. Da sie erst 1978 als eigenständige Art abgegrenzt wurde, bestehen über manche Aspekte ihrer Reproduktionsbiologie noch Unklarheiten. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit dem Fortpflanzungssystem, sowie den Einflussfaktoren auf den Reproduktionserfolg von H. adriaticum. Es wurden Bestäubungsmanipulationen an drei Populationen im 19. Bezirk Wiens durchgeführt, sowie verschiedene reproduktionsbiologische Parameter erhoben. Mit vorhandenen Daten wurden Individuenzahl und Blühverhalten am Burgstall von 2016-2018 dargestellt. Es konnte weder asexuelle Fortpflanzung noch spontane Selbstbestäubung nachgewiesen werden. Dies bestätigt die Erwartung, dass H. adriaticum auf Bestäuber angewiesen ist. Aus manuell selbstbestäubten Blüten wurden Kapseln gebildet, was zeigt, dass H. adriaticum selbstkompatibel ist, was bei seltenen Bestäuberbesuchen eine Strategie zur Sicherung der Reproduktion sein könnte. Dennoch leidet die Art offenbar unter Inzuchtdepression, da die Vitalität der aus Selbstbestäubung hervorgegangenen Samen signifikant geringer war als bei Kreuzbestäubung. Der durchschnittliche Fruchtansatz lag bei 30,5% im Mukental und 18,6% am Burgstall. Damit liegt der Fruchtansatz von H. adriaticum in einem Bereich, welcher typisch für Nektartäuschorchideen Europas ist, da diese seltener von Insekten besucht werden als nektarführende Orchideen. Pflanzenhöhe, Blütenstandslänge und Blütenanzahl hatten signifikant positiven Einfluss auf den Fruchtansatz, was durch erhöhte Auffälligkeit für Bestäuber erklärt werden kann. Während des Untersuchungszeitraums herrschte eine außergewöhnlich trockene und heiße Witterung, was Individuenzahl, Pflanzenwachstum und Reproduktion, insbesondere am Burgstall, beeinträchtigte. Durch den Klimawandel kann diese Problematik in Zukunft noch verschärft werden, auch wenn derzeit die untersuchten Populationen vital erscheinen.

Beurteilende(r): Kropf Matthias
1.Mitwirkender: Kriechbaum Monika

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