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Gewählte Diplomarbeit / Masterarbeit:

Angela Schoemitz (2005): Architektur und Gebruachsfähigkeit von Freiräumen. Evaluierung des städtebaulichen Konzeptes der Siedlung Traviatagasse im 23. Wiener Gemeindebezirk.
Diplomarbeit / Masterarbeit, BOKU-Universität für Bodenkultur. UB BOKU obvsg

Datenquelle: ZID Abstracts
Abstract:
Die Freiraumplanung beschäftigt sich mit Freiräumen, in denen sich das alltägliche Leben vollzíeht: Straßen, Wege, Plätze, Gärten. Ihre Aufgabe ist es sich am Alltag der NutzerInnen zu orientieren und Freiräume zur Verfügung zu stellen, die Handlungsspielräume ermöglichen und sichern. Freiräume sind ständigen Veränderungen unterworfen und müssen sich den jeweils sich ändernden Lebensbedingungen der NutzerInnen anpassen können. In der gängigen Planung der Architektur finden die Aspekte der Freiraumplanung kaum Anerkennung. Es geht nach wie vor um die Errichtung von Kunstwerken, die die Handschrift des Künstlers tragen. Das Selbstverständnis des Architekten, ein Kunstwerk zu schaffen, verhindert die Möglichkeit der Anpassung an die veränderten Lebensumstände. Durch die baulichen Vorgaben des Künstlers werden die Handlungsspielräume der BewohnerInnen eingeschränkt oder verhindert. In dieser Arbeit wird anhand der baulich-räumlichen Strukturen und der materiellen Ausstattung der Siedlung Traviatagasse in Wien 23 die Nutzbarkeit von Freiräumen im alltäglichen Gebrauch behandelt. Die baulich-räumlichen Strukturen und die Wahl der Materialien sind unmittelbare Vorraussetzung für die Sicherung und Aneignung von Handlungsspielräumen. Die Indizien für die Nutzung sind die Spuren des alltäglichen Gebrauchs, die erst eine Annäherung an den Ort möglich machen. Im Fall der Siedlung Traviatagasse sind das die Bank oder das Fahrrad neben dem Hauseingang. Die Qualität von Freiräumen ist nicht durch ihre Größe gegeben, sondern durch ihre Verfügbarkeit für die NutzerInnen. Ìn der Siedllung Traviatagasse wurde durch die Wahl des Materials, nämlich Sichtbeton und Betonziegel, und die Dimensionierung der Abgrenzung der Freiräume unterschiedlicher Zuständigkeiten (von privat über siedlungsöffentlich zu öffentlich) die Gebrauchsfähigkeit verhindert. Ebenso ist die Reihung von Freiräumen unterschiedlicher Zuständigkeiten ein wesentliches Qualitätsmermal für deren Nutzbarkeit. In der Siedlung Traviatagasse wurden von Planungsseite einige symbolische Elemente der mittelalterlichen Stadt, wie Stadtmauer, -tor und Platz, eingebaut, doch die städtebaulichen Prinzipien jener Zeit wurden nicht eingehalten. Dadurch wurde die Aneignung dieser Freiräume erschwert bzw. verhindert. Die Kennwerte einer Wohnsiedlung treffen keine Aussage über die Qualität und die Gebrauchsfähigkeit der Freiräume. Das Ausmaß von siedlungsöffentlichen und privaten Freiflächen ist erst durch ihre Organisation zum Haus bzw. Gebäude, sowie untereinander gewährleistet. Das planerische Leitbild der Grünplanung verspricht einen hohen Freiflächenanteil, der den BewohnerInnen als Grünfläche zu Verfügung steht. In der Siedlung Traviatagasse können die siedlungsöffentlichen Freiräume wegen der schlechten Erreichbarkeit nicht genutz werden.

Beurteilende(r): Schneider Gerda

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